Mit bangen Gesichtern schauten wir früh morgens aus dem Fenster. Gestern Abend noch Sonne und blauer Himmel, begrüßte uns der Morgen mit kräftigem Dauerregen. Und wir wollten heute unsere 4- tägige Radtour einmal um die Brenta-Gebirgsgruppe starten? Wir, das waren Ines und Andreas, Beate und Chris sowie Ute und Jörg, hatten die Country-Tour ausgewählt – bestens organisiert von Ines und Andreas. „Dolomiti di Brenta Bike – eine faszinierende Mountainbike Tour um die westlichen Dolomiten in Trentino, incl. Gepäcktransport und Halbpension in guten 3-Sterne Hotels“, das versprach uns der Prospekt.
Mit der Hoffnung auf Wetterbesserung ging es in Madonna di Campiglio los, die ersten 2 h bei Dauerregen. Zum Glück begann die erste Etappe mit ca. 30 km Einrollen überwiegend bergab und erst auf den letzten 20 km mussten wir wieder knapp 1.000 hm hoch. Aber bis dahin schien schon längst wieder die Sonne und wir genossen die tollen Aussichten. Das abendliche Ziel war ein Hotel der besonderen Art: ein ehemaliges Kastell ganz hoch auf dem Berg, von dem wir auf den ganzen Ort San Lorenzo herabschauen konnten.
Die 2. Etappe begann gleich im Sonnenschein. Wunderschöne kleine Wege, mal asphaltiert, mal einfache Waldwege und immer wieder mit schönen Ausblicken, vorbei am Molveno-Stausee und zum Schluss durch die duftenden Apfelplantagen. Diesmal waren die 1.100 Höhenmeter gleichmäßig über die 40 km verteilt, auch wenn es uns an manchen Anstiegen deutlich mehr erschien. Das Etappenziel war diesmal Sporminore – ein scheinbar verschlafenes Dörfchen am Rande des Gebirgsmassivs. Kaum angekommen, gingen, nein fuhren wir noch auf die Suche nach einem Geocache und waren diesmal endlich auch erfolgreich. Abends gab es dann eine besondere Belohnung – 4 Gänge- Abendessen die Speisekarte rauf und runter. Ein kulinarischer Höhepunkt der Sonderklasse!
Am nächsten Morgen fielen die ersten Anstiege etwas schwerer – hatten wir etwa an Gewicht zugelegt? Doch bald lief es rund und wir fuhren wieder erst durch Obstplantagen und dann mit steigender Höhe teilweise spektakuläre Panoramawege. Durfte man da eigentlich überhaupt noch Radfahren?
Val di Non, Single trail von San Pancrazio
Dann gab es auch noch ein weiteres Schmankerl – ein 3km langer Tunnel.
Etwas skeptisch schauten wir schon in das dunkle Loch, nur zwei von uns hatten überhaupt eine Beleuchtung mit – so viel zu STVO-zugelassenen Fahrrädern J. Aber schnell bemerkten wir, dass die Beleuchtung über Annäherungsschalter ca. alle 10m automatisch anging – manchmal allerdings etwas spät, erst nachdem wir mit dem Fahrrad schon vorbei waren. Unseren Spaß hatten wir auf jeden Fall. Weiter ging es dann abwärts und schnell hatten wir den Norden der Brenta-Gruppe erreicht und anschließend umfahren. Unser Ziel hieß diesmal Terzolas, das liegt gleich neben dem kleinen Ort Cappuchini – was für ein schöner Name für einen Ort! Gleichnamiges Getränk haben wir wohl mehrmals am Tag getrunken. Aber auch unser Hotel empfing uns mit einem schönen Namen: Pippo. Erst ein Gang durch die Sauna und dann Abendessen – wie immer in guter Südtiroler Qualität. So lässt es sich wahrhaftig leben. Was waren da schon die 42km mit ca. 1.000 Höhenmetern…
Der letzte Tag lag an – ein bisschen Wehmut war schon dabei. Zurück nach Madonna di Campiglio war es nicht mehr weit, aber dazwischen war ein Pass mit über 1.600 m zu überqueren. Zuerst ging es aber flott das Torrente Noce Tal entlang. So flott, dass wir die Abzweigung in das Seitental verpassten. Wer will schon bergauf fahren, wenn es gerade so schön rollt …
Bei einsetzendem Nieselregen beendeten wir dann unsere 4-Tage-Runde wieder am Start-Hotel. Bei einer gemütlichen Geburtstagsrunde ließen wir es dann endgültig ausklingen. Und das Fazit war schnell gezogen: Tolle Routen und Ausblicke, viele Höhenmeter, Super-Essen, keine Stürze und Pannen, viel Sonne und angenehme Temperaturen.
Jörg Grohmann
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