Gletschertour auf den Dome de Neige des Ecrins, den südlichsten 4000’er der Alpen

Für jemanden, der in vielen Bereichen sportlich aktiv war und ist, der als Kind jedoch nie gern gewandert und auch jetzt bevorzugt mit jedweder Art von Fahrrad unterwegs ist, kam die Anfrage eines Erfurter Alpinen „ob ich Lust hätte, an einer hochalpinen Gletschertour teilzunehmen“ sehr überraschend. Ich fühlte mich geehrt und war sehr neugierig auf diese unbekannte Herausforderung. Ich sagte sofort zu, erst dann beschäftigte ich mich mit dem, was da auf mich zukommen würde. Als „Greenhorn“ wurde ich erst einmal Mitglied im Alpenverein und nahm dann an zwei „Weiterbildungen“ an der Nordwand teil. Zunächst  allgemeines Klettern und Materialkunde (mein letztes Klettererlebnis lag viele Jahre zurück), kurz vor der Tour dann noch eine Einführung in die Spaltenrettung.

Dann war es soweit. In 2 Etappen ging es bis nach Ailefroide, bzw. zum nochmals höher gelegenen Parkplatz an der Hütte Madame Carle. Die meisten unserer 12-köpfigen Gruppe waren schon einige Tage in den Alpen unterwegs und hatten somit Zeit sich in der Höhe zu akklimatisieren. Nach erneutem Materialcheck ging es los. Voll bepackt, „kurz, kurz“, bei bestem Sonnenschein, nahmen wir (davon vier im Berg „Unerfahrene“) die ca. 750 Hm zu unserem ersten Ziel in Angriff. Reichlich 2 Stunden später kamen wir am Refuge de Glacier de Blanc an. Wir genossen die Sonne, nahmen später ein einfaches, aber reichhaltiges Abendessen zu uns und zogen uns in den spartanischen Schlafsaal zurück.

Am nächsten Morgen, nach einfachem Frühstück, erfolgte ca. 05:00 Uhr der Start Richtung Gletscher (Glacier blanc). Als Eingehberg wählten wir den 3364m hohen Pic du Glacier d’Arsine. Nach einer felsigen Passage kamen dann die Steigeisen zum Einsatz. Auf dem Gipfel gönnten wir uns eine Pause mit kleiner Stärkung, Götz filmte uns inmitten dieser phantastischen Berglandschaft mit seiner Drohne.  Zurück auf dem Gletscher steuerten wir unsere zweite Unterkunft, das Refuge des Ecrins an. So früh am Tag (ca. 14:00 Uhr) genossen wir bei Fachsimpeleien das eine oder andere Gläschen Rotwein, bevor, erneut nach einem „3 Gang Menü“, schon gegen 20:00 Uhr die Nachtruhe begann.

Kurze Zeit später, um 02:15 Uhr wurden wir geweckt, versuchten beim etwas chaotisch ablaufenden Frühstück etwas abzubekommen und starteten unsere Tour zum Dome de Neige des Ecrins. Mit Stirnlampen, immer den imposanten Berg und andere Seilschaften vor Augen, begannen wir den Aufstieg. Zunächst moderat auf dem Gletscher, dann sehr steil, teilweise eisig und mit bis zu 45° Steigung schlängelten wir uns nach oben und genossen den phänomenalen Sonnenaufgang. Fast die gesamte Gruppe erreichte den Gipfel. Nach einem Gruppenphoto und dem ausgiebigen Genießen der traumhaften Aussicht machten wir uns auf den Rückweg. Tobias und Götz erkletterten zuvor noch den 4102m hohen felsigen Barre des Ecrins und kamen später nach. Den Abstieg begannen wir gegen 08:30 Uhr, dieser war bei schon zunehmend sulzigem Schnee nicht ganz einfach. Ein, zwei unspektakuläre Ausrutscher ins Seil und etwas mehr Zeit als erwartet und wir hatten die steilen Passagen überwunden und machten uns auf den weiteren Weg abwärts. Eigentlich war dieser nur bis zur unteren Hütte (Refuge de Glacier de Blanc) geplant, zu den Autos sollte es am folgenden Morgen gehen. Da es aber noch „früh am Tag“ war (13:00 Uhr), die Hütte bei schönster Sonne voller Menschen war und uns weder die schmalen Betten noch der unfreundliche Wirt so richtig einluden zu bleiben, beschlossen wir, den Abstieg bis zum Parkplatz fortzusetzen. Zunächst ließen wir uns jedoch noch den Geburtstagskuchen (Dank an Micha) schmecken. Insgesamt ging es an diesem Tag ca. 2300 Höhenmeter bergab (für Tobias und Götz ca. 2400m).

Es war eine sehr schöne Tour, alle kamen gesund aber müde zurück. Wir fuhren noch am selben Tag los, ein Teil blieb noch eine Nacht und machten sich dann auf den Heimweg. Meine Beine meldeten sich noch Tage später, die Blasen an meinen Fersen benötigten noch länger, um abzuheilen.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass dies nicht meine letzte Tour dieser Art gewesen sein wird. Vielen Dank an Michael Klimas für die Organisation und für die mehrtägige Betreuung mit vielen Tipps und hilfreicher Unterstützung an die erfahrenen „Gipfelstürmer“.

Christian Geßner

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