Bildung 2.0 – Meteora

Meteora – spirituelles Kieseltreten zwischen orthodoxem Glockengeläut und sächsischen Hakenabständen

Johannes am Traumpfeiler (5+)

Ich hätte nie gedacht, dass eine 5+ doch so unangenehm werden könnte. Der letzte Haken ist schon längst überklettert und der nächste ist noch nicht einmal in Sicht. Die Füße stehen immer nur auf kleinen aus der Wand stehenden Kieseln, die gefühlt auch leicht herausbrechen könnten.

Irgendwann kommt dann doch noch ein alter Haken, der sich zwischen den vielen Kieseln perfekt getarnt hat und man kann die malerische Umgebung genießen. Vom Nachbarfelsen weht der Wind ein leises Glockengeläut vorbei und unten sieht man die Ziegen friedlich grasen. Irgendwo bellt ein Hund. Außer uns ist niemand anderer am 250 Meter hohen “Traumpfeiler”.

Nach fünf langen wunderschönen Seillängen und durchschnittlich allen acht Metern einem Haken erreichen wir den Gipfel und sehen gerade noch den Sonnenuntergang. Die Suche nach der Abseile stellt dann das nächste Problem dar. Doch im Lichte der Kopflampen kommen wir schließlich unten mitten in einem kleinen orthodoxem Heiligtum an.

Für die nächsten Tage suchen wir uns Routen mit etwas näheren Hakenabständen raus. So klettert sich die beeindruckende leicht überhängende Route “Action Direct” (8-, 250m) oder Danae (7-, 120m) deutlich leichter als die 5+ vom Vortag.
Am letzten Tag bestiegen wir die zwar nicht ganz so hohe, aber von der Gestalt beeindruckende Spindel noch auf zwei Wegen. Mit ihren 40 Metern Höhe geht sie zwar fast unter zwischen den umliegenden Felsen, doch sollte ihre Besteigung keinesfalls fehlen.

Die markante Spindel

Routentypen:
Die Routen sind in der Regel plattige oder senkrechte Wandklettereien und Verschneidungen an größeren und kleineren Kieseln. Die schwereren Routen sind auch teilweise überhängend. In dem Labyrinth der Türme soll es über 700 Mehrseillängen geben und noch viel mehr Potential ist vorhanden. Häufig ist bisher nur eine Route pro Wand erschlossen.

Felsen:
Die Türme bestehen aus Konglomeratgestein. In den häufig begangenen Routen sind schon alle losen Steine herausgebrochen und das was noch da ist, ist sehr fest. Nicht so häufig begangene Routen sind teilweise stark bemoost oder mit Flechten bewachsen. Überall muss man am Ende wieder abseilen.

Absicherung:
Die alten Klassiker sind mit weiten Hakenabständen bestückt. Die Haken und Ringe sind aber in der Regel in einem guten Zustand. Teilweise können auch Keile oder Friends gelegt werden. Größere Kiesel können mit Schlingen abgebunden werden. Die neueren schwereren Routen sind teilweise plaisiermäßig eingerichtet (z.B. Action Direct). Die Abseilen sind alle perfekt mit neuen Ringen ausgestattet.

Ausrüstung:
In der Regel reichen zehn Expressschlingen und ein paar Schlingen. Manchmal sind Keile oder Friends hilfreich und in seltenen Fällen notwendig (z.B. Wahnsinnsverschneidung).
Ein 70 Meter Einfachseil war bei uns immer ausreichend. Mit zwei Halbseilen gestaltet sich das Abseilen jedoch deutlich zeitsparender.

Zustieg:
Der Beginn der Zustiege ist in der Regel der Ort Kastraki bei Kalambaka. Von dort läuft man zwischen einer Viertelstunde und einer Dreiviertelstunde zu den Einstiegen durch teils dichten Wald.

Übernachtung:
In Kastraki befinden sich mehrere Campingplätze. Wir waren im Camp Vrachos. Dieser bietet eine gute Außenküche mit Gas, warmes Wasser und Kletterführer zum Ausleihen. In Kastraki und Kalambaka befinden sich auch viele Zimmer, die Vermietet werden.

Einkaufen:
In Kastraki befinden sich zwei kleine Einkaufsläden und sehr gute Bäcker. Wenn man größer einkaufen möchte, muss man zwei Kilometer nach Kalambaka laufen.

Anfahrt:
Mit dem Flugzeug nach Athen oder Thessaloniki und dann mit dem Zug, Bus oder Mietauto nach Kalambaka. Züge sind in der Regel günstiger als Busse.

Literatur:
Eine grobe Übersicht gibt die Website: http://db-sandsteinklettern.gipfelbuch.de/gebiet.php?gebietid=16
Für nähere Infos gibt es mehrere Kletterführer, die man auch manchmal ausleihen kann.

Blick vom Heilig-Geist-Felsen

Johannes, Hans

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