Dem Himmel ein Stück näher – Hüttenwandern in den Dolomiten

1. Etappe: 3-Zinnen-Gebiet / Sextener Dolomiten

Lange hatten wir uns darauf gefreut – und endlich sollte es soweit sein. In der Morgendämmerung des 10. September machten wir uns auf den Weg in das sonnige Italien, im Gepäck eine gut sortierte Ausrüstung, zahlreiche Müsliriegel als Notverpflegung für die nächsten 10 Tage (man weiß ja nie, wie lang der Weg zur nächsten Hütte ist….), eine große Portion Vorfreude und auch ein wenig Aufregung – besonders für mich als Hüttentouren-Neuling.

Wir, das waren Reiner, Andrea, Mathias, Wolfgang, Thomas, Bernd, Miriam und ich; Chris und Beate stießen am nächsten Morgen dazu.

Unser erstes Ziel und Treffpunkt war die kleine Gemeinde Villabassa im malerischen Südtirol, welche wir, nachdem wir uns durch das Getümmel des Brenners gekämpft hatten, im Laufe des Nachmittags dann doch recht entspannt erreichten.

Und jetzt, was nun noch anstellen mit dem Rest des Tages? Reiner, Andrea und Miriam waren schon vor uns da und eigentlich schon wieder weg – auf einem Ausflug zum nahe gelegenen Toblacher See, und auch wir entschieden uns für einen Abstecher zu einem idyllischen Bergsee – dem Pragser Wildsee. An Schönheit kaum zu überbieten lag er da vor uns mit ein paar kleinen Holzbooten auf spiegelglatter Wasseroberfläche, kristallklar und smaragdgrün, umrahmt von einem gewaltigen Bergmassiv….. einfach traumhaft.

Zurück im Hotel – ja, diesen Luxus gönnten wir uns heute noch mal – ließen wir den ersten Abend bei gutem Essen in gemütlicher Runde ausklingen.

Aller Anfang ist steil – Aufstieg zur Zsigmondyhütte

Sonntagmorgen, strahlend blauer Himmel. Nach einem kräftigen Frühstück fuhren wir zur Talstation der Rotwandwiesen-Seilbahn in Bad Moos, von wo aus nun die Hüttenwanderung im 3-Zinnen-Gebiet startete. Mit der Seilbahn oben angekommen, ging es auf dem Alpinisteig über die Elferscharte zum Zsigmondyhütte, welche sich auf einer Höhe von 2235 m befindet. War es anfangs noch ein gemächlich ansteigender Höhenweg, tat sich nach einer Wanderung von ca. 2 Stunden ein kalkweißer steiler Geröllhang auf, den es nun zu bewältigen galt. Am Fuß des Hanges noch eine kleine Stärkung und dann ging es nach oben. Und während die Truppe um Reiner munter nach oben spazierte, kamen mir langsam erste Zweifel an meinen extra für die Tour nach fachmännischer Beratung erstandenen und am heimischen Rennsteig getesteten und für gut befundenen Bergschuhen: es rieb und schmerzte an den Fersen – bei jedem Schritt mehr. Der Abstand zu den anderen wurde größer, aber ich kämpfte mich durchs Geröll, und mit Reiners Beistand war auch ich nach ein bisschen „Verspätung“ oben angekommen. Zu dumm, dass sich Bergschuhe erst am Berg bewähren…. Doch der erste Aufstieg war geschafft, und er wurde mit einem Ausblick belohnt, der die schmerzenden Füße für einen Moment vergessen ließ: zum ersten Mal zeigte sich der Höhenzug mit seiner imposanten Gebirgskette in einer Dimension, die die Wanderwege wie Ameisenstraßen aussehen ließ….

Und weiter ging es zur Zsigmondyhütte, welche wir am Nachmittag erreichten. Das erste Tagesziel war geschafft, und noch nie haben mir eine Apfelschorle und ein Stück Schokokuchen so gut geschmeckt wie in diesem Moment.

Der Montagmorgen war da, und wieder lachte die Sonne aus einem wolkenlosen Blau. Schon in der Früh starteten wir unseren Marsch zum heutigen Ziel, der Drei-Zinnen-Hütte. Unterwegs machten wir Rast an der Büllelejochhütte, welche mit 2528 m über dem Meeresspiegel die am höchsten gelegene Hütte im UNESCO Weltnaturerbe der Dolomiten ist. Cappuccino und ein Platz an der Sonne – so kann man es aushalten! Ein kleiner Abstecher zur Oberbachernspitze war noch drin, nur ich entschied mich, meinen Haxen ein wenig Erholung zu gönnen, blieb an der Hütte, schlürfte noch einen Cappuccino und bewachte die Rucksäcke.

Später angelangt an der Drei-Zinnen-Hütte zogen Reiner, Chris, Bernd und Mathias noch einmal mit Kletterausrüstung los, um den Leiternsteig „Toblinger Knoten“ zu erklimmen, dessen Gipfel sie leider zunächst nicht erreichen konnten, weil der Aufstieg nach einem Blitzeinschlag vorübergehend gesperrt war und zudem ein Gewitter aufzog. Schade… Nach dem Abendessen kam die Abendsonne durch und die vier wagten einen zweiten Versuch und erklommen nun den Toblinger Knoten über die Abstiegsroute.  Von dort konnten sie den Tag mit  einem traumhaften Blick auf die Drei Zinnen und den Paternkofel abschließen.

So ging auch der 3. Tag zu Ende, und nach einem üppigen Abendessen und einem Becher Wein ließ es sich sogar in einem voll belegten 24-Betten-Zimmer ganz gut schlafen.

Klettersteig und Gipfelkreuz
Für den Dienstag stand der Gipfel des Paternkofel auf dem Programm, welcher über einen drahtseilgesicherten Klettersteig, den Via ferrata De Luca Innerkofler, zu erreichen war. Ohne Stirnlampe sollte man hier aber nicht losziehen – der Steig verläuft über mehrere hundert Meter durch einen Stollen im Inneren des Berges. Einige Felsfenster machen wunderschöne Ausblicke ins Tal möglich, welche nur noch durch den Blick auf die Drei Zinnen vom 2744 Meter hohen Paternkofel zu toppen waren.

Der Rückweg zur Drei-Zinnen-Hütte führte über lange Felsbänder, die teilweise auch nicht ohne Drahtseilsicherung begangen werden sollten, über die Gamsscharte, den Schartenweg und erneut über einen Geröllhang, diesmal abwärts, welcher sich noch einmal als Herausforderung in Bezug auf Technik und Trittsicherheit rausstellte. Ein bisschen war es wie Skifahren… Auch diesen meisterten wir, und nach kurzer Pause an der Drei-Zinnen-Hütte nahmen wir den Abstieg (nebenbei erwähnt: das geht auch mit „ausgeliehenen“ Hüttenhausschuhen!) zur Dreischusterhütte in Angriff, von wo aus wir am nächsten Tag in ein anderes Gebiet umsetzen würden.

2. Etappe: Rosengarten
Am Mittwoch starteten wir nach dem Frühstück den Abstieg von der Dreischusterhütte nach Sexten, von wo aus es schließlich über endlose Serpentinen nach Pozza di Fassa ging. Gelegenheit für mich, mir unterwegs neue Bergschuhe zu kaufen, welche mir den Rest der Tour doch weitaus angenehmer machten! Und an dieser Stelle nochmal ein kleines Dankeschön für die vielen gesponserten Blasenpflaster aus all euren Rucksäcken…

Dieser Tag verlief ruhig, und nach dem Einchecken im Hotel Margherita ließen wir ihn am Abend in einer Pizzeria bei einer wagenradgroßen Pizza für jeden ausklingen.

Der Donnerstag begann mit einer Busfahrt zum nächsten Ziel: Campitello die Fassa, von wo aus uns eine Seilbahn zum Col Rodella brachte, einen Ausgangspunkt für viele Wandermöglichkeiten – wieder einmal mit atemberaubendem Blick. Von hier aus führte uns ein gemütlicher Panoramaweg zur Platkofelhütte, unserem heutigen Tagesziel, welche wir schon am frühen Nachmittag erreichten. Langsam kam Regen auf, es wurde neblig und merklich kühler. Dennoch ließen es sich Reiner, Thomas, Wolfgang und Mathias nicht nehmen, den Platkofel zu besteigen, während der Rest der Gruppe den Nachmittag für eine kleine Verschnaufpause nutzte.

Gegen Abend machten Regen und Nebel der Abendsonne Platz, Wolken umhüllten die Gipfel und es zeigte sich uns ein spektakulärer Sonnenuntergang, der an Licht- und Farbenvielfalt wohl kaum zu überbieten ist.

Schon war der Freitag da, unser heutiges Tagesziel war die Vajolet-Hütte mit Zwischenstopp an der Grasleitenpasshütte, von wo aus Reiner, Chris, Bernd und Miriam noch über einen Klettersteig den Kesselkogel bestiegen, dessen Gipfel auf 3002 m Höhe liegt. Wir anderen gingen schon vor zur Hütte und ließen den Tag ruhig zu Ende gehen.

Abstieg und Abschied
Der Samstagmorgen zeigte uns dann bei einem Blick nach draußen, dass man hier doch mit allen Wettern rechnen musste: es hatte über Nacht geschneit. Nicht viel, aber immerhin genug, um die Überquerung des Passes zur Rotwandhütte inklusive Klettersteig, die für heute vorgesehen war, etwas zu riskant erscheinen zu lassen, so dass wir uns dazu entschlossen, einen Tag früher als geplant abzusteigen und die Heimreise anzutreten. Nach einer letzten Wanderung brachte uns die Seilbahn zurück nach Vigo di Fassa, wo wir unsere Autos geparkt hatten.

So vergingen 9 sehr schöne Tage voller Emotionen, Anstrengung und unvergesslicher Momente viel zu schnell, und ich möchte im Namen aller Mitwanderer noch einmal Danke sagen an Reiner für die lückenlose Planung, Vorbereitung und den reibungslosen Ablauf dieser tollen Tour, und ich freue mich auf ein nächstes Mal…

Susan Engel

 

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