Giro Ladinia September 2018 – Reisebericht

Ladinien – kein Land, kein offizieller Staat und dennoch gibt es hier eine eigene Sprache, eine eigene Fahne und eine gemeinsame von 30.000 stolzen Einwohnern gelebte Kultur.

Die nördliche Dolomitenregion Ladinia umschließt 5 traumhafte Täler und gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe der Dolomiten. Ihre uralte romanische Sprache, hört sich so geheimnisvoll an wie ihre Sagen und Mythen. Bezaubernde Berghotels, südtiroler Küche und majestätische Gipfel nehmen Dich auf dieser Traumrunde in Ihren Bann. [1]

Nach einer individuellen Anreise am Samstag mit PKW und Seilbahn, trafen wir uns am frühen Abend im Hotel Bellavista auf der Seiser Alm in 1.800m Höhe. In Vorbereitung der nächsten Tage ging dieser Tag mit einem intensiven Briefing zur Runde zu ende.

Nach dem reichhaltigen Frühstück am nächsten Morgen begann die Tour mit dem obligatorischen Bike-Check. Los ging es dann mit einem leichten Anstieg über eine Asphaltstraße entlang der grünen Wiesen der Seiser Alm. Wir verließen Europas größte Hochalm über das Mahlknecht Joch verbunden mit einem steilen Anstieg und einer anschließenden Abfahrt nach Campitello di Fassa. Von hier ging es entlang eines Waldstückes zur Seilbahn Canazei-Pecol, um damit gleich wieder 700hm hinauf zum Col dei Rossi zu fahren. Von hier ging es den berühmten Bindelweg entlang zur Mittagspause zum Rifugio Viel dal Pan. Dieser Weg erforderte einige Schiebestellen, da der Weg teileweise sehr schmal und ausgesetzt war. Zwischenzeitlich und bei den Pausen konnten wir das eindrucksvolle Panorama der Marmelade bewundern. Nach der Pause ging es weiter bis zur Bergstation der Seilbahn von Arabba und hinab über schöne und aufregende Trails auf die Strasse direkt nach Arabba. Noch etwas weiter und wir vierließen die Straße nach links zu dem schier endlosen Anstieg von 600hm zu unserem Ziel Rifugio „Alpino Pralongià“, mit gewöhnungsbedürftigen „gläsernen Badezimmern“, auf etwa 2000m. Zwischendurch gab es eine kurze Pause bei Original Tiroler Volksmusik. Leider konnten wir hier nur noch die Zugabe hören. An Stecke sind an diesem ersten Tourentag 50km und 1.520hm zusammengekommen.

Der Tag zwei begann pünktlich mit einem kurzen Briefing und atemberaubender Abfahrt in der Morgensonne und durch den morgendlichen Wald, um anschließen die Auffahrt über eine alte Militätstraße zum Passo Falzarego. Von hier ging es dann die Asphaltstrasse direkt nach Cortina d’Ampezzo und nach einer kurzen Pause vor der Kirche auf einem alten Bahndamm stetig ansteigend bis zum „Chalet Passo Cimabanche“. Hier war die Zeit für eine Mittagspause und das Wechseln der Bremsbelege. Den Anfang sollte Robert’s Vorderradbremse sein. Das stellte sich aber als etwas knifflige Aufgabe heraus. Erst durch beherztes Agieren von Axel und Andreas konnten die neuen Beläge dann doch eingebaut werden.

Schließlich ging es mit etwas Verspätung gestärkt weiter bis Schluderbach. Hier wartet der Schlussanstieg über 500hm, ebenfalls auf einer alten Militärstraße mit kontinuierlichen Anstieg zwischen 8% und 16% über 6,3km. Oben angekommen kehrten wir noch einmal kurz in der Dürrensteinhütte ein, um anschließend über einen teilweise anspruchsvollen Trail zu unserem Hotel Brückele hinabzufahren. Hier wurden am Abend noch bei weiter Mitstreitern die vorderen Bremsbeläge gewechselt. Das stellte sich aber als deutlich problemloser heraus. Die Strecken an diesem zweiten Tourentag: 65km und 1.490hm.

 

Nach einem speziellen und etwas unorganisierten Frühstück ging es zunächst einen netten Trail bergab nach Schmieden, um dann wieder kontinuierlich zum Pragser Wildsee aufzufahren. Dieser Touristenmagnet lud nicht zum Verweilen ein, also ging es direkt weiter Richtung Grünwald Alm und das Tal hinauf zum Kernstück dieser Etappe. Hier erwartet uns bei strahlendem Sonnenschein eine Schiebe- und letztlich Tragestrecke über 500hm. Diese sehr kräftezehrende Aktion dauerte länger als gedacht aber belohnte uns mit einem der schönsten Trails auf einer 2300m Höhe zum Kreuzjoch und einem Blick bis zum Alpenhauptkamm. Von dieser wunderschönen Umgebung ging es dann 1000hm bergab nach St. Vigil, um hier in dem kleinen Bistro L’Apetit einzukehren.  Gestärkt ging es dann in einer etwas gehetzten Fahrt zum Gasthaus Pederü, dabei zog sich die Gruppe weit auseinander. Ziel war es, ein Shuttle zu erreichen, welches Gepäck, Personen und Räder zum Rifugio Fanes bringen sollte. Das Ergebnis war, das Gepäck und zwei Personen gefahren wurden. Der Rest hat die 500hm zum Rifugio mit dem eigenen Bike erklommen. Für die zwei restlichen Räder hatte Axel eine sehr spezielle Lösung. Die Hütte selber war sehr stark besucht, aber für die Umgebung entschädigte für die ganze Aufregung. Abschließend wurde auf 50km Weg beachtliche 2.040hm zurückgelegt.

Der morgen auf der Fanis Hütte verlief normal und wir begannen unsere heutige Tour wieder im strahlenden Sonnenschein. Von der Hütte ging es zunächst hinauf zum Passo Limo und vorbei am Lagio di Limo, im Slalom um diverse Kühe herum. Am Ende des Weges wartete ein steiler Abhang, an dem das Rad nur geschoben oder getragen werden konnte. Der untere Teil war dann aber doch fahrbar und mit vielen Umsetzern und Drops versehen. Schließlich gelangten wir nach St. Kassian und entlang eines Berghangs weiter nach St. Martin. Hier hatte Axel einen Transport organisiert, der uns die nächsten 500hm ersparen sollte. Engelbert, der Taxifahrer, brachte uns und unsere Bikes über viele Serpentinen hinauf bis zur Würzjoch. Von hier noch einen kleinen Weg hinab, Balancieren über einen Baumstamm, über eine grüne Wiese und den hügeligen Höhenweg entlang, folgten wir bis zum Hotel The Vista. Hier angekommen trafen sich fast alle später noch zur Entspannung in der Sauna. Dieser Tag endet mit 52km und 840hm auf dem Tacho.

 

Am letzte Tag führte uns der Weg noch einmal hinauf zur Bergstation Plose und einen schmalen Trail entlang. Auch hier musste an einigen Stellen das Rad geschoben werden. Der Weg ging entlang des Hanges bis zur Ochsenalm. Hier war der letzte Stopp vor der sensationellen Abfahrt nach Brixen. Über Trails, Wirtschaftswege und Asphaltstraßen ging es kontinuierlich bergab bis wir schließlich nach Brixen einfuhren und diese Tagesetappe nach 47km und 590hm mit einer leckeren Pizza abschlossen.

Somit endet für uns die „Giro Ladinia“ nach gesamt 264km und 6.480hm bei herrlichsten Sommerwetter.

 

Robert Fischer

[1] Head, Axel. „Giro Ladinia“, emotionSPORTS, Bad Heilbrunn, 2018

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